Robin Wendel und Martin Loidl nahmen diese Woche am Jahrestreffen des CITWIN-Projekts in Aarhus, Dänemark teil. Das Projekt geht mittlerweile ins dritte Jahr, was mit sich bringt, dass die beim Jahrestreffen präsentierten Ergebnisse immer konkreter werden. Die Herausforderung für das letzte Jahr wird es sein, die einzelnen Forschungsergebnisse zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.
Um diese Integration aktiv zu unterstützen, haben wir im Mobility Lab eine automatisierte Geo‑Pipeline entwickelt, die unterschiedliche Eingangsdaten verarbeiten, Erreichbarkeitsanalysen durchführen und die Resultate über standardisierte Schnittstellen bereitstellen kann. Unsere Erreichbarkeitsanalysen gehen dabei über herkömmliche Ansätze hinaus, indem sie wahrnehmungsbezogene Faktoren in das analytische Modell einbeziehen. Dieser Beitrag baut auf der hervorragenden Grundlage auf, die im vorherigen Arbeitspaket unter der Leitung von Mario Cools von der Universität Lüttich gelegt wurde (siehe unsere Publikation für weitere Details), und fließt direkt in den urbanen digitalen Zwilling ein, der vom Team um Lukas Esterle an der Aarhus University entwickelt wird. Zusätzlich zu unseren Analysen wird der digitale Zwilling ein fortgeschrittenes Verkehrsmodell für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen integrieren, das von Fariya Sharmeen und Peiling Wu von der KTH Stockholm entwickelt wird.
Das Projekt profitiert zweifellos von einem breit aufgestellten Konsortium, das neben wissenschaftlichen Partnern auch Fachleute aus Verwaltung, Privatwirtschaft und Interessenvertretungen umfasst. Diese interdisziplinäre Mischung macht die Zusammenarbeit im CITWIN-Projekt inspirierend und in besonderem Maße bereichernd.

Urbane Transformation in Aarhus erleben

Die Stadt Aarhus erwies sich als idealer Ort für das Treffen. Gustav Friis, Mobilitätsplaner der Aarhus Kommune, gab wertvolle Einblicke in laufende und künftige städtebauliche Entwicklungen. Während eines geführten Stadtspaziergangs erkundeten wir neu gestaltete Straßenräume und ehemalige Parkplatzflächen, die heute als einladende öffentliche Orte mit Cafés, konsumfreien Sitzgelegenheiten, Stadtgrün und einem ringförmigen Radweg um die Fußgängerzone genutzt werden.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für städtische Transformation ist die Öffung eines vormals überbauten Flusses. Statt einer mehrspurigen Verkehrsachse stellt heute ein hochwertiger Korridor mit blau-grüner Infrastruktur einen ökologischen wie sozialen Gewinn für den urbanen Raum dar.
Auch das Aarhus Rathaus fiel als zeitloses Stück dänischen Designs aus den 1940er-Jahren auf, das in Atmosphäre und Erscheinung noch immer sehr modern wirkt.
Interessant für die Stadt Salzburg: Aarhus verfügt über ein öffentliches Bike-Sharing-System, das von Lime betrieben wird …

Überlegungen zu Digitalen Zwillingen: Mehr als Technologie

Im Verlauf der Workshops und informellen Gespräche tauchte ein Thema immer wieder auf: die Bedeutung und das Versprechen des Labels Digital Twin. Während digitale Zwillinge oft primär technologisch betrachtet werden, zeigte sich in unseren Diskussionen deutlich, dass die größten Herausforderungen nicht technischer Natur sind. Vielmehr liegen die entscheidenden Engpässe im Bereich der Governance – insbesondere darin, wie Daten verwaltet, geteilt und wiederverwendet werden.
Eine gut strukturierte Data Governance kann die Integration von Datensätzen erheblich vereinfachen und umfassende Analysen in einer einheitlichen digitalen Umgebung ermöglichen. Mit dem Fortschreiten des CITWIN-Projekts wird die Auseinandersetzung mit diesen Governance-Aspekten entscheidend sein, um Anwendungen digitaler Zwillinge zu realisieren, die einer ganzheitlichen Abbildung urbaner Systeme näherkommen.